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30 Jahre mit Leidenschaft für die Stadthalle Hagen

 

Nach 30 Jahren Dienstzeit ging der technische Leiter der Stadthalle Hagen Rolf Wenchiarutti zum 01.03.2021 in den Ruhestand. Der gebürtige Hagener Wenchiarutti hat mit viel Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein die vielfältigsten Veranstaltungen in der Stadthalle zusammen mit seinem Team betreut.

1991, pünktlich zu den Feierlichkeiten anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Stadthalle, begann der offiziell erste Arbeitstag am Sonntag, dem 01.09. Unbeeindruckt von diesem ersten Warnhinweis, investierte Wenchiarutti seitdem zahllose seiner Wochenenden, damit die Gäste der Kulturveranstaltungen unterhaltsame Stunden erlebten. Es gibt einfach eine Reihe von Berufen, die Menschen machen, um anderen Menschen eine Freude zu bereiten und damit der „Laden am Laufen bleibt“.

2021, zum 40-jährigen Stadthallen-Jubiläum, blicken wir mit Rolf zurück auf eine ereignisreiche Zeit und nutzten die Gelegenheit ihm einige Fragen zu stellen:

 

Herr Wenchiarutti, 30 Jahre beim selben Arbeitgeber zu sein, dass zeugt von Kontinuität und Freude an der Tätigkeit. Welche beruflichen Stationen haben Sie zur Stadthalle geführt?

Nach der Fachoberschulreife 1975 machte ich eine Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker bei der Firma Fried. Krupp Hüttenwerke AG in Hagen-Hohenlimburg. 1978 nach Beendigung meiner Ausbildung wechselte ich zur Firma Friedrich Gustav Theis GmbH. Berufsbegleitend machte ich eine 4-jährige Ausbildung zur Meister für Elektrotechnik bei der SIKH, die ich Anfang 1991 erfolgreich abschloss. Meine ersten Veranstaltungserfahrungen machte ich bereits im Gastronomiebetrieb meiner Eltern, in dem ich aushilfsweise tätig war und einige gesellschaftliche Veranstaltungen begleitete. Diese gastronomischen Erfahrungen und mein technisches Wissen waren die Basis für meinen weiteren Werdegang in der Stadthalle.

Als 2002 die Versammlungsstättenverordnung in überarbeiteter Form vorlag und hierin fachlich qualifiziertes Personal zum Betrieb einer Veranstaltungsstätte gefordert wurde (davor nur bühnenerfahrenes Personal), absolvierte ich eine Weiterbildung zum Meister für Veranstaltungstechnik, welche ich mit dem Zeugnis zum Verantwortlichen für VA-Technik abschloss.

 

Als technischer Leiter trugen Sie die Verantwortung für die gesamte Veranstaltungssicherheit in der Stadthalle. Welches waren dabei Ihre Grundsätze?

Grundsätzlich ist man daran interessiert Konzertbesuchern, Comedy-Fans, Partygängern oder Galagästen eine unterhaltsame, einzigartige Veranstaltung zu liefern. Symposien, Tagungen, Parteitage, Firmenveranstaltungen sind weniger auf Unterhaltung, sondern eher auf die jeweiligen Erfolgsziele ausgerichtet. Hier gilt es die optimalen technischen Leistungen anzubieten, die den Tagungserfolg ermöglicht, sei es für die Weiterbildung, Informationsvermittlung oder bei Messen und Märkten für den wirtschaftlichen Erfolg. Doch vor all diesen Punkten hatten für mich immer die sicherheitsrelevanten Ansprüche höchste Priorität. Auch wenn man dann gelegentlich als Bedenkenträger angesehen wird, muss alles Handeln verantwortbar sein. Mein Grundsatz bleibt daher – wir möchten zufriedene Kunden und Besucher, die erfreut und zufrieden unser Haus besuchen und, obwohl sie es als selbstverständlich ansehen (dürfen), unser Haus auch wieder gesund verlassen. Dafür habe ich immer gearbeitet.

 

Welche besonderen Erlebnisse verbinden Sie mit der Stadthalle?

Für mich war die Feier zum Jahrtausendwechsel ein besonderes Ereignis. Die begann mit Grußworten des OBs und mit einem anschließenden Konzert des Philharmonischen Orchesters Hagen (Mahlersinfonie) vor einer mit ca. 1.500 nummerierten Plätzen bestuhlten Halle. Direkt daran anschließen sollte eine Megaparty – natürlich im unbestuhlten Saal. Also blieben uns nur ca. 1 ½ Stunden, um die Reihenbestuhlung ab- und den Bühnenaufbau umzubauen. Zudem sollte im Außenbereich um 00:00 Uhr ein großes Feuerwerk mit Lasershow stattfand, wofür diverse sicherheitsrelevanten Anforderungen zu meistern waren. Insgesamt war dieser Veranstaltungstag eine einzige Herausforderung, welcher darüber hinaus vom vermeintliche Millennium-Problem überschattet wurde. Würden nach Mittnacht die Computer noch funktionieren? Kollabiert vielleicht das gesamte Stromnetz? Was ist, wenn Panik ausbricht? Alles war möglich und keiner hat einem irgendwas garantiert.

Ansonsten sind mir einige Künstlerauftritt besonders in Erinnerung geblieben, wie beispielsweise Udo Jürgens, der die SHH als sein Wohnzimmer ansah; John Lord (Deep Purple) im Crossover mit den Hagener Philharmonikern; Abt Primus Dr. Nokter Wolf (Chef aller Benediktiner), der mit seiner Coverband auf der Bühne stand und „I’m on the highway to hell“ vortrug; Max Raabe, mit dessen Technik-Crew eine tolle Zusammenarbeit stattfand, was natürlich auch auf andere Crews zutrifft – mit denen steht man ja ohnehin in sehr engem Kontakt. Dann natürlich die vielen Comedy-Künstler und Kabarettisten – da blieb bei uns in der Regie oft kein Auge trocken. Um nur einige zu nennen: Hege Schneider, Rüdiger Hoffmann, Martin Schneider, Ingo Appelt, Atze Schröder, Mario Barth, Dieter Nuhr, Kaya Yanar, Mirja Boes, Olaf Schubert, Bülent Ceylan, Markus Krebs, Thorsten Stäter, Sascha Grammel … Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch lokale Künstler wie Grobschnitt, Extrabreit, Luxuslärm und Nena. Mit dem Extrabreit-Sänger Kai Hawai kam ich erstmalig auf der Entbindungsstation, mit den anderen Bandmitgliedern in Schule und Ausbildung zusammen. Nena verkaufte mir vor dem Start ihrer Karriere Drinks in einer Hagener Diskothek. Dort trat sie mit ihrer ersten Band, den Stripes, auf. Nach etlichen Jahren traf ich sie dann als Star in der Stadthalle wieder.

 

Sie waren so viele Jahre in der Veranstaltungswirtschaft tätig, da erlebte man bestimmt viele ungewöhnliche Situationen. Fallen Ihnen spontan die eine oder andere Anekdote ein?

Spontan fällt mir der Auftritt einer kolumbianischen Musikergruppe ein, die mit Panflöten und Gitarren auftraten. Hier hatte ich vor vollbesetztem Haus meinen peinlichsten Auftritt. Während des Auftrittes hielt ich mich im Bühnenbereich auf. Beim ersten Stück der Bolivianer meldete mir die Tontechnik, dass eins der Mikros nicht richtig eingesteckt sei und ich möge dies doch bitte korrigieren. Nach dem ersten Lied ging ich auf die Bühne, um das betreffende Mikro richtig aufzustecken. Im Rückwärtsgang verließ ich die Bühne. Leider habe ich währenddessen nicht gesehen, dass einer der Musiker seine Panflöte auf dem Boden abgelegt hatte. Es kam also wie es kommen musste – ich trat auf die Flöte und ihr Knacken war aufgrund der vielen Mikros natürlich mehr als deutlich im Saal zu hören. Dies führte zu einen lauten „ohhh“ aus den Reihen des Publikums. Den Schaden konnte ich bei den Musikern mit einigen Cervezas wieder gut machen …

Meinen lustigsten Auftritt hatte ich bei einen Loriot-Abend. Auch hier arbeitete ich wieder hinter der Bühne. Urplötzlich fiel den Auftretenden ein, dass man mich doch bestens als „Statist“ einsetzen könne. In einer eskalierenden Szene ging es darum, dass ein Staubsaugervertreter eine Hausfrau besuchte, um ihr den berühmten Sauger „Heinzelmann“ anzubieten. Hinzu kam dann ein Weinvertreter und es entwickelte sich ein richtiges Trinkgelage. Hier rein platzt nun völlig unvorbereitet der nichtsahnende Ehemann – das war jetzt meine Rolle. Also schubste man mich von der einen auf die andere Minute unvorbereitet ins Rampenlicht. War aber nicht so schlimm, weil viel zu sagen brauchte ich nicht. Die Betrunkenen redeten mich ohnehin mit komischen Dingen nieder, womit das Stück auch endete. Von diesem spontanen Auftritt war ich eh so verdutzt, dass ich die Rolle wohl sehr authentisch gespielt habe.

 

Welchen Hobbys oder Aufgaben widmen Sie nun als Ruheständler besonders viel Zeit?

Ja, dass mit den Hobbys ist so ein Ding. In all meinen Dienstjahren kamen die regelmäßig zu kurz, weil man ja gefühlt immer in „der Halle“ ist. Abends zu den Veranstaltungen und tagsüber möchte der Veranstalter ja auch, dass man erreichbar ist. Über freie Wochenenden braucht man in unserer Branche erst gar nicht reden. Gassigänge mit dem Hund waren dann das Hobby. Da war ich zeitlich flexibel, zumal meine Frau bei Bedarf dieses Hobby teilte. Nun im Ruhestand sieht es etwas anders aus. In Haus, Hof und Garten sind einige Dinge liegengeblieben, denen ich mich jetzt in Ruhe annehmen kann. Ich denke, ich werde die Gärtnerei neu für mich erfinden. Eins meiner früheren Hobbys war die Fotografie. Ich denke, auch das werde ich wieder aufgreifen. Leider fallen angedachte Verwandtschaftsbesuche in Canada gerade der Pandemie zum Opfer. Selbst der Besuch der Schwiegerfamilie im Schwarzwald muss zurzeit unterbleiben. Aber aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben … schauen wir mal zuversichtlich in die Zukunft.

 

Vielen Dank für das Gespräch und einen ganz besonderen Dank für Ihr langjähriges Engagement für das vielfältige Kulturangebot in unserer Stadt!


 

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