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Veranstaltungssicherheit ist nicht umsonst

5 Fragen an Marco Schwack, stellvertretender technischer Leiter der Kongress und Eventpark Stadthalle Hagen (KESH)

 

Herr Schwack, die Love Parade 2010 war eine Zeitenwende in Bezug auf die Veranstaltungssicherheit. Welches ist aus Ihrer Sicht die größte Lehre, die man aus diesem Ereignis ziehen kann?

„Die größte Lehre war, dass die Verantwortlichen für Veranstaltungstechnik die Schutzziele der einschlägigen Normen, beispielsweise der Sonderbauverordnung in NRW, unbedingt einhalten müssen. Oftmals ist es doch so, dass Kunden bestimmte Vorstellungen davon haben, wie ihre Veranstaltung umgesetzt werden soll und das ist leider nicht immer in Einklang mit der geforderten Veranstaltungssicherheit zu bringen. Das Motto ´wir können alles` muss für uns da aufhören, wo die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann. Daher sind wir Techniker in der Verantwortung den Kunden kompetent zu beraten, damit wir gemeinsam das Veranstaltungsziel sicher erreichen.“

 

Die Stadthalle Hagen ist das größte Veranstaltungszentrum in Südwestfalen mit einer Besucherkapazität von bis zu 3.000 Personen. Welches ist aktuell Ihre größte Herausforderung in Bezug auf die Veranstaltungssicherheit?

„Wir erleben, dass bei vielen Veranstaltern durch den zunehmenden Wettbewerb ein gewisser Kostendruck entsteht. Dadurch werden die Veranstaltungsbudgets geringer, oder der Veranstalter gibt den Kostendruck an uns weiter, indem er mehr Leistung für weniger Geld erwartet. Gleichzeitig sind wir als Veranstaltungshaus jedoch in der Pflicht, alle Veranstaltungen entsprechend der gesetzlichen Normen sicher durchzuführen. Und diese notwendige Veranstaltungssicherheit ist immer mit Kosten verbunden: Sei es, dass zusätzliches Sicherheitspersonal vor Ort sein muss, oder dass aufgrund von drohender Überfüllung keine Gäste mehr hereingelassen werden können. Eine weitere große Herausforderung ist es, die Besucherströme mit bis zu 3.000 Menschen jederzeit sicher zu lenken. Jeder Event ist ja einzigartig und etwas ganz Besonderes. Daher müssen wir Techniker uns immer wieder neu überlegen, wie wir die Veranstaltungen sicher durchführen. Aber diese Abwechslung ist ja auch meine tägliche Motivation diesen Beruf auszuüben.“

 

Zu jeder Veranstaltung in der Stadthalle wird ein umfassendes Sicherheitskonzept mit der Software Delegatis erstellt. Welche Besonderheiten können Sie uns hierzu nennen?

„Delegatis ist eine cloudbasierte Software, die uns dabei hilft, das statische Sicherheitskonzept auf die individuelle Veranstaltung anzupassen. In der Software wird ein Link erzeugt und an den Veranstalter gesendet. Dieser gibt seine Daten selbst in das System ein. So erhalten wir standardisiert alle relevanten Informationen zur Veranstaltung aus erster Hand. Sobald die Daten eingegeben wurden, kontrollieren wir sie und geben den Datensatz frei. Durch vorher von uns festgelegte Parameter wird dann automatisch ein Sicherheitskonzept erstellt, welches an den Kunden, den Sicherheitsdienstleister und den Verantwortlichen für Veranstaltungstechnik geschickt wird. Ggf. dient das Sicherheitskonzept auch gleich als Grundlage für die Einsatzplanung der Polizei oder Feuerwehr.“

 

Die Einbeziehung des Kunden/Veranstalters in das Sicherheitskonzept ist eine zentrale Bedingung für ein erfolgreiches Sicherheitskonzept. Wie gehen Kunden aus Ihrer Erfahrung mit dieser Verantwortung um?

„Sehr unterschiedlich. Während Veranstaltungsprofis sich der Verantwortung meist bewusst sind, ist den Kunden, die selten Veranstaltungen durchführen, meist nicht klar, was es heißt Veranstalter oder Veranstaltungsleiter zu sein. Bei dieser Personengruppe ist es unsere Aufgabe, ihnen die Situation zu erklären und ihnen mit Rat und Tat zu Seite zu stehen.“

 

Welches ist Ihr persönlich größter Wunsch, damit Veranstaltungen immer sicherer werden?

„Mein persönlicher Wunsch ist ein Bewusstsein einhergehend mit einer höheren Akzeptanz für das Thema Veranstaltungssicherheit in der Bevölkerung. Es ist für Veranstalter schwierig, eine Veranstaltung kostendeckend und sicher durchzuführen, wenn seine Besucher nicht verstehen, warum die Eintrittskarte 30 € oder mehr kosten muss. `Die bereichern sich doch auf unsere Kosten! ` – so etwas oder Ähnliches höre ich hin und wieder von Besuchern. Die Realität ist hingegen, dass Veranstaltungssicherheit Geld kostet und das muss über die Eintrittskarten finanziert werden.“

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